Steinkammern

Prähistorische Wohnhöhlen „Steinkammern“

Die Kleine Steinkammer in Erdbach wurde am 21.09.2014 vom Landesamt für Umwelt und Geologie in Hessen zum Geotop des Jahres 2015 gekürt.

Große Ehre für „kleine Kammer“

AUSZEICHNUNG

VON UTE JUNG

Breitscheid (–). Große Ehre für eine kleine Kammer.
Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie will die „Kleine Steinkammer“ im Rolsbachtal bei Erdbach zum Hessischen Geotop des Jahres 2015 küren. Das teilte Bürgermeister Roland Lay den Gemeindevertreter in der letzten Sitzung mit.

Besonders erfreut sind die Breitscheider über diese Ehre, weil sie nicht etwa einen Antrag gestellt haben, sondern das Landesamt aus eigener Initiative auf die Westerwald-Gemeinde zugekommen war.

Die Kammer enthielt Knochen, Schmuckstücke, Kleingeräte und Topfscherben

Eine gemeinsame Veranstaltung zum Tag des Geotops am 21. September – an dem der „Geopark Westerwald, Lahn und Taunus“ sowie der Breitscheider Verein „Zeitsprünge“ beteiligt sind – soll am Museum „Zeitsprünge“ in Erdbach beginnen. Eine kleine Wanderung führt anschließend zur „Kleinen Steinkammer“.

Die als „Steinkammern“ bezeichneten Höhlenreste (es gibt eine kleine und eine große Steinkammer) sind Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, weil sie Überreste aus der Hallstattzeit (1000 bis 500 vor Christus) enthielten.
So wurden zum Beispiel aus der kleinen Steinkammer menschliche Gebeine, Schmuckstücke, Kleingeräte, Topfscherben und ein Knochenpfeifchen geborgen.

Kurios: Trotz ihres irreführenden Namens ist die „Kleine“ der größere der beiden Höhlenreste. Nach einer mannshohen, 3,5 Meter breiten Öffnung verengt sie sich auf etwas mehr als einen Meter und erweitert sich danach zu einer drei bis vier Meter breiten Halle.

Weiter nach hinten führt ein Schlupfgang ins Freie. Dieser Gang konnte vormals durch drei Felsblöcke versperrt werden. Die Felsblöcke wurden jedoch im vergangenen Jahrhundert gesprengt.

Wetzlarer Neue Zeitung vom Samstag, 21. Juni 2014, Seite 16

 

Erdbach ist vielleicht kein sehr spektakulärer Ort, aber durchaus einen Besuch wert. Die Besonderheiten sind unauffällig und im Untergrund verborgen: Höhlen!

Erdfälle, Höhlen und Bachversickerungen liegen hier auf engstem Raum nebeneinander. Die Höhlen der Kleinen und der Grossen Steinkammer können auf eigene Faust erkundet werden. Dies ist besonders für Kinder ein Abenteuer, dass es hier ganz umsonst gibt. Folgen Sie in Breitscheid – Ortsteil Erdbach dem Schild „Steinkammern“. Der Weg endet an einem großen Parkplatz am Rande eines Schieferbruches. Von hier aus geht es zu Fuß links den Weg hinauf.

Hoch am Talhang wurden von der Witterung einige fossile Teile des Erdbachhöhlensystems freigelegt und auch teilweise durch Abtragung zerstört. Diese vom Parkplatz aus in ca 10 Minuten zu erreichenden als „Steinkammern“ bezeichneten Höhlenreste, vor etwa 300 Mio. Jahren entstanden, sind schon seit geraumer Zeit Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, weil sie Überreste aus der Hallstattzeit (1000 – 1500 v.Chr.) enthielten. So wurden zum Beispiel aus der kleinen Steinkammer menschliche Gebeine, Schmuckstücke Kleingeräte, Topfscherben und ein Knochenpfeifchen geborgen. Im Vorfeld der Steinkammern fanden sich viele Knochenreste von Tieren und Topfscherben aus der Jungsteinzeit.

Die große Steinkammer

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Zunächst passier man die große Steinkammer. Dieser Höhlenrest öffnet sich in Richtung einer Spalte neben einer bergauf ziehenden Felsrippe, die einen Teil ihrer rechten Wand darstellt. Die 1 bis 3m hohe und 2 bis 3m breite Höhle zieht sich etwa 6 bis 7m in den Berg hinein. Nach einem weiteren Stück von einer schmalen Spalte endet die Höhle in Lehm oder ist zugesintert. Die Decke setzt sie sich als enge, gewundene Klamm fort. Man ist hier zunächst eher enttäuscht, weil es nichts sonderlich spektakuläres zu entdecken gibt. Der Fußpfad führ aber noch hinüber zu der kleinen Steinkammer. Dort wird es um einiges interessanter.

Die kleine Steinkammer

SteinkammerEntgegen ihrem Namen, ist sie die größere der beiden Höhlenreste. Sie ist mit guten Schuhen und Taschenlampe begehbar. Ein kleiner unscheinbarer Pfad führt vom eigentlichen Höhleneingang aus abwärts, um den Berg herum. Die meisten Besucher bemerken diesen Steig überhaupt nicht. Es lohnt sich aber ein wenig zu suchen. Dort ist ein kleiner Höhleneingang, über den man auch mit kleineren Kindern den Einstieg wagen kann. Von hier aus geht es aufwärts, bis man am vorherigen Ausgangspunkt wieder Tageslicht erblickt. Man befindet sich dann in einer 3 bis 4 Meter breiten Halle, von der aus man wieder bequem nach draußen gelangt. Die Höhle diente während der Jungsteinzeit als Wohnhöhle. Noch vor dem Menschen lebte hier der Höhlenbär, dessen Reste man jüngst nahezu unberührt in einem neu entdeckten Höhlensystem fand.

Die Höhle in der kleinen Steinkammer

hoehleinklstkDie beiden Steinkammern wurden schon im Jungneolithikum von Menschen besiedelt. Sie hinterließen dort Opfergaben wie den Erdbacher Wendelhalsring. Auch Schädelknochen oder Schädelfragmente wurden gefunden. Die Fundstücke sind auch im Museum in Erdbach zu sehen.